Das richtige Produkt – oder: Wie ich lernte, mich im Dschungel der Inkontinenzprodukte zurechtzufinden
Eine neue Blogseite, ein neues Kapitel. Heute geht es um ein Thema, das für viele Betroffene eine echte Herausforderung ist: das richtige Produkt finden. Klingt simpel, ist es aber ganz und gar nicht. Für mich war es damals eine Mischung aus Überforderung, Frust, Überraschungen und am Ende auch ein bisschen Stolz, weil ich mich da durchgebissen habe.
Meine erste Anlaufstelle war das naheliegende Sanitätshaus. Schon der Gedanke daran, wieder mit jemandem über etwas zu sprechen, das man eigentlich nicht unbedingt thematisieren will, war unangenehm. Aber mein erster Gedanke war auch: Hey, das ist ein Sanitätshaus. Die reden den ganzen Tag darüber. Du bist nicht der Erste und nicht der Letzte. Und genau so war es. Diese Hürde war am Ende viel kleiner, als ich sie mir ausgemalt hatte.
Dann stand ich da – vor einer Auswahl, die ich so nie erwartet hätte. Slip‑Einlagen, kleine Einlagen, große Einlagen, Pants zum Hochziehen und natürlich Windeln. Nachdem wir geklärt hatten, um welche Art Inkontinenz es sich bei mir handelt – bei mir läuft es einfach, ich kann weder vorne noch hinten etwas halten – war schnell klar: Einlagen fallen komplett raus.
Als Nächstes kamen die Pants. Und da hatte ich direkt meine Probleme. Erstens musst du dich beim Wechseln jedes Mal halb ausziehen. Zweitens hängen die dir beim Laufen ständig zwischen den Kniekehlen. Getestet habe ich sie natürlich trotzdem, aber das Ergebnis war eindeutig: zu häufiges Auslaufen und ein Sitz, der einfach nicht zu mir passte.
Also blieb am Ende die klassische Windel. Jetzt könnte man meinen: Super, erledigt, Problem gelöst. Aber so einfach ist das nicht. Jeder Hersteller hat zwar S/M/L/XL auf seinen Produkten stehen, aber eine L von TENA ist deutlich kleiner geschnitten als eine L von SENI. Also blieb mir nichts anderes übrig, als so viele Muster wie möglich mitzunehmen – in der Größe, die ungefähr passen könnte.
Doch damit allein ist es ja nicht getan. Es gibt 3 Tropfen, 5 Tropfen, 7 oder 10 Tropfen. Oder Bezeichnungen wie Slip Maxi, Slip Maxi Plus, Slip Ultra. Ich hätte nie gedacht, was ich an diesem Tag alles nach Hause schleppen würde – und das Sanitätshaus hatte gerade einmal drei Hersteller da.
Also ging die Suche im Internet weiter. Viele Hersteller und Lieferanten bieten kostenlose Muster an, und davon habe ich reichlich Gebrauch gemacht. Mit all diesen Produkten startete dann meine persönliche Testreihe. Ein System hatte ich nicht. Ich habe einfach ausprobiert. Manche Produkte waren gar nichts, manche waren okay, und dann gab es die, mit denen ich mich wirklich sicher gefühlt habe.
Als die Testerei endlich ein Ende hatte, kam der letzte Schritt: die finale Bestellung im Sanitätshaus. Mit meinem Dauerrezept für Hilfsmittel – gültig für drei Monate – konnte ich nun endlich die Windel bestellen, die für mich richtig war.
Was für eine Tortur. Aber auch ein Erlebnis. Und rückblickend war es ein wichtiger Schritt: weg vom Gefühl der Überforderung, hin zu dem Wissen, dass ich Kontrolle habe – zumindest über die Produkte, die mich im Alltag begleiten.
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