💬 Wenn der Körper Grenzen setzt – und der Kopf trotzdem weitermacht
Es gibt Tage, da fühlt sich jeder Schritt an wie ein kleiner Sieg. Und andere, da ist selbst das Aufstehen eine Herausforderung.
Ich lebe mit den Folgen von zwei Tumoroperationen am rechten Bein, einem Wirbelbruch und mittlerweile sieben Bandscheibenvorfällen. Das rechte Bein bleibt taub, das linke wird durch die Wirbelsäulenprobleme bis zu dreißig Mal am Tag gefühllos. 500 Meter ohne Hilfsmittel sind mein Limit – danach zwingt mich der Schmerz zum Stehenbleiben. In den letzten Monaten bin ich mehrfach gestürzt, einfach weil die Beine manchmal nicht mehr mitmachen.
Längeres Sitzen? Nach einer halben Stunde meldet sich der Rücken mit Schmerzen, die mich zwingen, aufzustehen – egal, wo ich bin. Seit meiner Lungenembolie ist selbst Treppensteigen ein kleiner Kampf um Luft. Asthma tut sein Übriges und sorgt dafür, dass ich ohne Spray kaum durchatmen kann.
Und dann ist da noch das, worüber viele schweigen: Harn- und Stuhlinkontinenz, seit 21 Jahren unverändert. Kein Tabu, sondern Teil meines Lebens. Ich rede darüber, weil ich weiß, dass Schweigen nichts verändert – Aufklärung schon.
Psychisch halte ich mich mit Medikamenten über Wasser – tagsüber Duloxetin, nachts Mirtazapin. Die Gewichtszunahme ist ein Nebeneffekt, der mich belastet, aber Schlaf ist manchmal wichtiger als die Zahl auf der Waage.
Mein Gesundheitszustand hat sich nicht verbessert. Ich kämpfe gerade um die Verlängerung meiner Erwerbsminderungsrente – nicht, weil ich aufgegeben habe, sondern weil ich ehrlich bin. Weil ich weiß, dass Stärke nicht bedeutet, alles zu schaffen, sondern weiterzumachen, obwohl es schwer ist.
Ich teile das mit euch, weil ich glaube, dass Aufklärung nicht nur aus Fakten besteht, sondern aus Geschichten. Aus echten Leben. Aus Mut, sich verletzlich zu zeigen.
Ich will, dass ihr seht: Auch wenn der Körper Grenzen setzt, kann der Kopf weiterkämpfen. Für Verständnis. Für Akzeptanz. Für ein Leben ohne Scham.
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