Warum ich manchmal „Windel“ sage – und warum Worte im Zusammenhang mit Inkontinenz wichtig sind

Wer meine Videos verfolgt, hat wahrscheinlich schon bemerkt, dass ich unterschiedliche Begriffe verwende. Ich spreche von Inkontinenzslips, Schutzhosen, Schutzslips – und manchmal eben auch ganz einfach von einer Windel.

Für manche mag das widersprüchlich wirken. Schließlich gibt es für diese Produkte doch genaue Bezeichnungen. Warum also verwende ich trotzdem das Wort „Windel“?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Damit möglichst viele Menschen verstehen, worüber ich spreche.

Begriffe sind nicht immer so bekannt, wie man denkt

Begriffe wie Inkontinenz oder Inkontinenzslip sind zwar sachlich korrekt, aber längst nicht jeder Mensch kann sofort etwas damit anfangen.

Ich habe das selbst schon erlebt. Als ich einmal jemandem erzählt habe, dass ich eine Schutzhose trage, dachte die Person tatsächlich, ich wäre Waldarbeiter und würde meine Beine wegen einer Kettensäge schützen.

Das klingt im ersten Moment vielleicht lustig, zeigt aber auch sehr deutlich, warum Sprache manchmal komplizierter ist, als wir denken.

Wenn ich in meinen Videos von einer „Windel“ spreche, dann nicht, weil ich die fachlich korrekten Begriffe nicht kenne oder weil ich Menschen bewusst in eine bestimmte Richtung einordnen möchte. Ich verwende das Wort, weil viele Zuschauer sofort wissen, worum es geht.

Das Wort „Windel“ sorgt für eine direkte Verständlichkeit.

Und genau darum geht es mir: Menschen sollen verstehen, worüber ich spreche, auch wenn sie mit Begriffen wie Inkontinenz, Inkontinenzversorgung oder Inkontinenzslip bisher noch keine Berührung hatten.

Inkontinenzslip, Schutzhose, Schutzslip oder Windel?

Es gibt unterschiedliche Begriffe für Produkte, die Menschen bei Inkontinenz unterstützen. Je nach Hersteller, Fachbereich, persönlicher Gewohnheit oder Situation werden unterschiedliche Bezeichnungen verwendet.

Zum Beispiel:

- Inkontinenzslip
- Schutzslip
- Schutzhose
- Inkontinenzhose
- und umgangssprachlich eben auch Windel

Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll, sachliche und passende Begriffe zu verwenden. Gleichzeitig sollten wir aber auch verstehen, dass Sprache nicht immer nur aus Fachbegriffen besteht.

Menschen sprechen unterschiedlich. Manche sagen Inkontinenzslip, andere Schutzhose und wieder andere Windel. Entscheidend sollte dabei vor allem eines sein: Wie ist es gemeint?

Wenn ich das Wort „Windel“ benutze, dann spreche ich über ein Hilfsmittel beziehungsweise ein Produkt zur Versorgung bei Inkontinenz. Nicht über ein Baby. Nicht über ein Kind. Und auch nicht, um jemanden herabzusetzen.

Ein Wort ist nicht automatisch beleidigend

Ich persönlich finde, dass wir bei diesem Thema auch unterscheiden müssen.

Ein Begriff kann sachlich oder neutral verwendet werden und trotzdem für manche Menschen unangenehm sein. Gleichzeitig kann ein völlig anderer, vermeintlich harmloser Satz unglaublich verletzend werden – nämlich durch die Art, wie er gemeint ist.

Das Problem ist deshalb nicht immer allein das Wort.

Das eigentliche Problem entsteht häufig dann, wenn Menschen andere wegen ihrer Inkontinenz oder ihrer Hilfsmittel verspotten.

Sätze wie:

„Haha, schau mal, der trägt Pampers wie ein Baby.“

oder:

„Der macht in die Windeln wie ein Kleinkind.“

sind nicht einfach nur Witze.

Sie sind verletzend, respektlos und können Menschen zutiefst treffen.

Inkontinenz hat nichts mit Unreife zu tun

Ein besonders großes Problem ist die Verbindung zwischen Inkontinenz und dem Bild eines Babys oder Kleinkindes.

Ja, Babys tragen Windeln. Aber daraus folgt nicht, dass jeder Erwachsene, der ein entsprechendes Hilfsmittel benötigt, deshalb wie ein Kind behandelt oder dargestellt werden darf.

Inkontinenz kann viele Ursachen haben. Sie kann Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und in jedem Alter betreffen. Sie sagt nichts über die Intelligenz, die Reife oder den Wert eines Menschen aus.

Niemand entscheidet sich aus Spaß dafür, auf ein Hilfsmittel angewiesen zu sein.

Und selbst wenn jemand offen darüber spricht, bedeutet das nicht, dass andere Menschen das Recht haben, sich darüber lustig zu machen.

Spott sorgt dafür, dass Menschen schweigen

Was viele Menschen unterschätzen: Solche Bemerkungen bleiben nicht einfach folgenlos.

Wer Angst haben muss, ausgelacht oder verspottet zu werden, zieht sich möglicherweise immer weiter zurück.

Menschen sprechen dann nicht mehr über ihre Probleme. Sie vermeiden Gespräche mit Familie, Freunden oder sogar medizinischem Fachpersonal. Manche schämen sich so sehr, dass sie versuchen, ihre Situation um jeden Preis zu verstecken.

Dabei wäre genau das Gegenteil wichtig.

Inkontinenz sollte kein Thema sein, über das man nur hinter verschlossenen Türen sprechen darf.

Je offener und respektvoller wir darüber sprechen, desto eher können Menschen verstehen, dass sie nicht allein sind.

Deshalb spreche ich offen darüber

Ich möchte mit meinen Videos und Beiträgen nicht nur Informationen vermitteln. Ich möchte auch dazu beitragen, dass das Thema Inkontinenz ein Stück normaler wird.

Und dazu gehört für mich auch, verständlich zu sprechen.

Wenn ich deshalb manchmal „Windel“ sage, obwohl ein Produkt fachlich vielleicht genauer als Inkontinenzslip, Schutzslip oder Schutzhose bezeichnet werden könnte, dann hat das einen einfachen Grund:

Ich möchte, dass die Menschen verstehen, worum es geht.

Denn was bringt der fachlich perfekteste Begriff, wenn viele Zuschauer damit nichts anfangen können?

Natürlich können wir gleichzeitig lernen, genauer über Inkontinenz und die verschiedenen Hilfsmittel zu sprechen. Das ist sogar wichtig. Aber wir sollten nicht vergessen, dass Verständlichkeit ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Worte sollten helfen – nicht verletzen

Am Ende geht es für mich nicht darum, welches einzelne Wort grundsätzlich richtig oder falsch ist.

Es geht darum, wie wir miteinander umgehen.

Man kann „Inkontinenzslip“ sagen. Man kann „Schutzhose“ sagen. Man kann „Schutzslip“ sagen. Und manchmal sagt man eben auch „Windel“, weil jeder sofort versteht, was gemeint ist.

Was wir aber nicht brauchen, sind abwertende Kommentare, Spott und Vergleiche, die erwachsene Menschen bewusst mit Babys oder Kleinkindern gleichsetzen.

Denn hinter jedem Hilfsmittel steht ein Mensch.

Ein Mensch mit einem Alltag, mit Sorgen, mit Bedürfnissen und vielleicht auch mit der Angst, von anderen verurteilt zu werden.

Deshalb sollten wir uns vielleicht weniger darüber streiten, welches Wort jemand verwendet – und mehr darauf achten, wie wir über andere Menschen sprechen.

Denn Sprache kann verletzen.

Aber Sprache kann auch Verständnis schaffen.

Und genau das wünsche ich mir: mehr Verständnis, mehr Respekt und weniger Scham rund um das Thema Inkontinenz.

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