Was ist eigentlich in meiner Inkontinenz-Tasche? – Ohne sie gehe ich nicht aus dem Haus
Wer mich kennt, weiß: Wenn ich das Haus verlasse, kommt eine ganz bestimmte Tasche mit.
Und nein, da steckt kein halber Hausstand drin. 😄
Es ist meine Inkontinenz-Tasche.
Für andere ist es vielleicht einfach nur eine Tasche. Für mich bedeutet sie vor allem eines: Sicherheit.
Dabei spielt es keine große Rolle, ob ich fünf Minuten weg bin, Freunde besuche, einkaufen gehe oder mehrere Stunden unterwegs bin. Die Tasche kommt mit.
Nach 21 Jahren mit Harn- und Stuhlinkontinenz habe ich nämlich eines gelernt:
Nur weil man denkt, man ist gleich wieder zu Hause, interessiert das meinen Körper noch lange nicht.
Eine Tasche, die extra für mich gemacht wurde
Meine Tasche ist für mich etwas Besonderes.
Eine gute Freundin hat sie extra nach meinen Bedürfnissen genäht. Sie ist also nicht irgendeine Tasche, die ich irgendwann gekauft habe, sondern genau darauf ausgelegt, was ich unterwegs brauche.
Und ich brauche tatsächlich ein bisschen mehr als Schlüssel, Handy und Geldbeutel.
Denn wenn meine Blase oder mein Darm beschließen, ihren eigenen Tagesplan aufzustellen, möchte ich vorbereitet sein.
Ich kann meine Inkontinenz nicht kontrollieren.
Aber ich kann kontrollieren, wie gut ich auf bestimmte Situationen vorbereitet bin.
Drei Ersatzwindeln – mindestens
Das Wichtigste zuerst:
In meiner Tasche befinden sich normalerweise mindestens drei Ersatzwindeln.
Warum drei?
Weil eine manchmal einfach nicht reicht.
Gerade bei meiner Stuhlinkontinenz kann es passieren, dass ich mich gerade frisch versorgt habe und kurze Zeit später schon wieder wechseln muss.
Das kann man nicht planen.
Natürlich könnte ich sagen:
„Ich bin doch nur eine Stunde unterwegs.“
Mein Darm könnte darauf allerdings antworten:
„Interessante Information. Mir egal.“ 😄
Deshalb lieber eine Windel mehr dabei als eine zu wenig.
Feuchttücher gehören immer dazu
Ohne Feuchttücher würde ich ebenfalls nicht losfahren.
Wenn ich unterwegs wechseln muss, möchte ich mich vernünftig reinigen können. Besonders bei einem Stuhlunfall ist das für mich selbstverständlich.
Zu Hause habe ich natürlich ganz andere Möglichkeiten.
Unterwegs muss es manchmal schnell gehen und man muss mit dem arbeiten, was gerade vorhanden ist.
Deshalb haben Feuchttücher einen festen Platz in meiner Tasche.
Creme – meine Haut soll schließlich auch noch mitspielen
Auch Creme habe ich dabei.
Wer dauerhaft Windeln trägt und mehrmals täglich wechseln muss, weiß, wie wichtig die Haut ist.
Feuchtigkeit, Wärme und Reibung können sie ordentlich beanspruchen. Und wenn die Haut erst einmal wund ist, macht das den gesamten Alltag nicht angenehmer.
Deshalb gehört Hautpflege für mich genauso zur Inkontinenzversorgung wie die Windel selbst.
Zu Hause habe ich meine normale Pflegeroutine.
Unterwegs muss es nicht immer das komplette Programm sein – aber die Möglichkeit möchte ich haben.
Eine Ersatzhose – denn auch die beste Windel kann auslaufen
Das ist einer der Punkte, bei denen man vielleicht hofft:
„Die werde ich bestimmt nicht brauchen.“
Und meistens brauche ich sie tatsächlich nicht.
Aber wenn doch etwas ausläuft, bin ich verdammt froh, dass sie da ist.
Deshalb befindet sich eine Ersatzhose in meiner Tasche.
Eine Windel kann verrutschen. Sie kann ihre Grenze erreichen. Beim Sitzen oder Bewegen kann etwas anders laufen als geplant.
Und bei Stuhlinkontinenz muss ich wahrscheinlich niemandem erklären, warum eine Ersatzhose im falschen Moment plötzlich ziemlich wertvoll werden kann. 😄
Früher hätte mich so eine Situation wahrscheinlich komplett aus der Bahn geworfen.
Heute denke ich eher:
Okay. Passiert. Wo kann ich mich wechseln?
Geruchsdichte Müllbeutel – unscheinbar, aber Gold wert
Was mache ich eigentlich mit einer benutzten Windel, wenn ich unterwegs bin?
Auch daran muss man denken.
Deshalb habe ich kleine geruchsdichte Müllbeutel dabei.
Windel rein, Beutel vernünftig verschließen und anschließend entsprechend entsorgen.
Gerade bei einem Stuhlunfall möchte ich schließlich nicht mit einer unverpackten benutzten Windel durch die Gegend laufen.
Das gehört zu diesen kleinen Dingen, über die sich wahrscheinlich kaum jemand Gedanken macht, solange er selbst nicht betroffen ist.
Für mich ist es vollkommen normal.
Und dann braucht man natürlich noch einen Ort zum Wechseln
Die beste gepackte Tasche bringt mir wenig, wenn ich keinen geeigneten Platz finde.
Deshalb läuft bei mir unterwegs im Hinterkopf häufig noch eine zweite Frage mit:
Wo ist die nächste Toilette?
An Orten, die ich gut kenne, weiß ich meistens genau, wo ich wechseln kann.
Bei unbekannten Orten nutze ich eine Toiletten-App. Außerdem habe ich meinen Euro-WC-Schlüssel dabei.
Das nimmt mir viel Stress.
Denn wenn ich merke, dass ich wechseln muss, möchte ich nicht erst eine halbe Stunde durch die Gegend laufen und eine geeignete Toilette suchen.
Besonders bei einem Stuhlunfall möchte ich einfach nur möglichst schnell einen ruhigen Ort finden, mich versorgen und danach weitermachen.
Die Tasche gibt mir ein Stück Freiheit
Das klingt vielleicht erst einmal widersprüchlich.
Ich muss eine Tasche mit Windeln, Feuchttüchern, Creme, Müllbeuteln und Ersatzkleidung mitnehmen – und spreche ausgerechnet von Freiheit?
Ja.
Denn die Alternative wäre, aus Angst vor einem Unfall zu Hause zu bleiben.
Meine Tasche verhindert nicht, dass etwas passiert.
Sie verhindert auch nicht, dass eine Windel ausläuft.
Und sie kann meinem Darm definitiv nicht erklären, dass er sich bitte benehmen soll. 😄
Aber sie sorgt dafür, dass aus einem Unfall nicht automatisch eine Katastrophe wird.
Ich weiß:
Wenn etwas passiert, habe ich das Wichtigste dabei.
Und dieses Gefühl macht einen großen Unterschied.
Früher hätte ich wahrscheinlich viel mehr darüber nachgedacht
Vor vielen Jahren war das alles noch anders.
Da war viel mehr Unsicherheit.
Was, wenn jemand die Windeln in meiner Tasche sieht?
Was, wenn ich unterwegs wechseln muss?
Was, wenn jemand merkt, dass ich inkontinent bin?
Heute sind diese Gedanken bei mir wesentlich kleiner geworden.
Wenn jemand zufällig sieht, dass ich Windeln dabeihabe, dann ist das eben so.
Ich brauche sie.
Warum sollte ich mich dafür verstecken?
Meine Inkontinenz gehört zu meinem Leben und entsprechend gehören auch meine Hilfsmittel dazu.
Meine Tasche ist kein Notfallkoffer
Das ist mir tatsächlich wichtig.
Ich sehe diese Tasche nicht als irgendeinen dramatischen „Inkontinenz-Notfallkoffer“.
Sie ist einfach ein ganz normaler Bestandteil meines Alltags.
Andere verlassen das Haus und prüfen:
Handy?
Schlüssel?
Geldbeutel?
Bei mir kommt eben noch dazu:
Windeln? Feuchttücher? Creme? Ersatzhose? Müllbeutel?
Alles da?
Dann kann es losgehen.
Vorbereitung bedeutet für mich nicht, mich einzuschränken
Natürlich wäre es einfacher, wenn ich über all diese Dinge überhaupt nicht nachdenken müsste.
Einfach Schlüssel nehmen, Tür zu und weg.
Diese Realität habe ich aber nicht.
Meine Realität ist Harn- und Stuhlinkontinenz.
Und nach 21 Jahren habe ich gelernt, dass Vorbereitung mir wesentlich mehr Freiheit gibt als der Versuch, so zu tun, als wäre die Inkontinenz nicht da.
Ich habe meine Tasche dabei.
Ich weiß ungefähr, wo ich wechseln kann.
Und wenn trotzdem etwas schiefgeht?
Dann wird eben gewechselt, sauber gemacht und weitergemacht.
Die Tasche löst meine Inkontinenz nicht. Aber sie sorgt dafür, dass meine Inkontinenz mich nicht davon abhält, vor die Tür zu gehen.
Und genau deshalb geht sie mit mir fast überall hin.
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