Was passiert eigentlich, wenn meine Windel unterwegs ausläuft?
Wer mich und meinen Blog schon etwas länger kennt, weiß: Ich rede ziemlich offen über meine Inkontinenz. Ich sage auch Windel, wenn ich Windel meine. Nach so vielen Jahren gehört das für mich zu meinem Leben.
Aber nur weil ich offen damit umgehe, bedeutet das nicht, dass jede Situation angenehm ist.
Eine davon ist der Moment, in dem ich unterwegs plötzlich merke:
Scheiße. Da stimmt etwas nicht.
Zu Hause ist eine ausgelaufene Windel nervig. Ich kann mich umziehen, frisch machen und die Sache ist erledigt.
Unterwegs sieht das ganz anders aus.
Dieses Gefühl kennt man irgendwann
Nach vielen Jahren mit Inkontinenz entwickelt man ein ziemlich gutes Gespür dafür, was gerade passiert.
Man sitzt irgendwo, ist vielleicht gerade mit anderen Menschen unterwegs, und plötzlich fühlt sich etwas anders an.
Dann kommt automatisch die Frage:
Hat die Windel noch gehalten – oder ist schon etwas daneben gegangen?
Und genau das ist so ein Moment, den Außenstehende meistens überhaupt nicht mitbekommen.
Das Gespräch geht weiter. Die Leute um mich herum lachen, reden oder trinken ihren Kaffee.
Und ich bin gedanklich schon drei Schritte weiter.
Wo ist die nächste Toilette?
Ist sie überhaupt barrierefrei?
Kann ich mich dort vernünftig versorgen?
Habe ich genügend Sachen dabei?
Ist meine Hose trocken geblieben?
Und natürlich der Klassiker:
Hat irgendjemand etwas bemerkt?
Ohne Ersatz gehe ich eigentlich nicht los
Andere überprüfen vor dem Losfahren vielleicht, ob sie Schlüssel, Handy und Geldbeutel dabeihaben.
Bei mir gehört noch etwas anderes dazu.
Windeln. Feuchttücher. Ersatzkleidung. Und alles, was ich eben brauche, wenn etwas schiefgeht.
Man könnte sagen, ich schleppe meinen persönlichen Plan B mit mir herum.
Das klingt vielleicht übertrieben.
Ist es aber nicht.
Denn eine Windel kann noch so gut sein – hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Manchmal sitzt sie nicht richtig. Manchmal ist sie schneller voll als gedacht. Manchmal macht der eigene Körper einfach, was er will.
Und manchmal kommt eben alles gleichzeitig.
Das eigentliche Problem ist nicht die Windel
Mit der Windel selbst komme ich klar.
Was mich viel mehr nervt, sind Situationen, in denen ich merke, wie wenig unsere Umgebung auf Menschen vorbereitet ist, die mehr brauchen als eine normale Toilette.
Eine barrierefreie Toilette ist schon einmal ein Anfang.
Aber barrierefrei bedeutet noch lange nicht automatisch, dass ich dort alles problemlos machen kann, was notwendig ist.
Und wenn die Windel wirklich ausgelaufen ist, reicht es eben nicht immer, sie kurz zu wechseln.
Vielleicht muss auch die Kleidung gewechselt werden. Vielleicht brauche ich mehr Platz. Vielleicht dauert das Ganze einfach länger.
Während andere auf die Toilette gehen und fünf Minuten später wiederkommen, kann aus derselben Sache für mich eine kleine Aktion werden.
Peinlich ist heute etwas anderes als früher
Natürlich ist mir so etwas nicht egal.
Ich glaube, niemand freut sich darüber, wenn eine Windel ausläuft.
Früher hätte mich so eine Situation aber wahrscheinlich viel stärker beschäftigt. Ich hätte mir Gedanken darüber gemacht, was andere denken und ob jemand etwas bemerkt.
Heute sehe ich das anders.
Wenn es passiert, passiert es.
Dann muss ich mich darum kümmern.
Nicht mehr und nicht weniger.
Das heißt nicht, dass ich jede Situation locker wegstecke. Es gibt auch heute Momente, in denen ich innerlich fluche und mir denke:
Muss das ausgerechnet jetzt sein?
Aber ich schäme mich nicht mehr dafür, dass mein Körper nicht so funktioniert, wie andere Menschen es vielleicht gewohnt sind.
Inkontinenz ist mehr als eine Windel
Genau deshalb schreibe ich solche Beiträge.
Wenn Menschen das Wort Inkontinenz hören, denken viele zuerst an Urinverlust oder an Windeln.
Aber sie sehen nicht die ganzen Dinge drumherum.
Die Planung.
Das Ersatzmaterial.
Die Suche nach einer geeigneten Toilette.
Die Gedanken im Hinterkopf.
Und manchmal eben auch die Situation, irgendwo unterwegs festzustellen, dass der eigene Plan gerade nicht funktioniert hat.
Für mich gehört das alles zum Leben mit Inkontinenz dazu.
Es ist manchmal nervig. Manchmal anstrengend. Und manchmal könnte ich wirklich darauf verzichten.
Aber deshalb bleibe ich nicht zu Hause.
Wenn meine Windel unterwegs ausläuft, ist das vielleicht ein Problem für den Moment. Aber es ist kein Grund, mein Leben nicht zu leben.
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