Nicht immer hat man ein dickes Fell - und das ist okay.
Es gibt Momente im Leben, die brennen sich ein. Nicht, weil sie schön sind, sondern weil sie weh tun – und weil sie uns verändern. Auch darüber möchte ich hier schreiben. Denn Inkontinenz bedeutet nicht nur Alltag, Routinen und Lösungen finden. Manchmal bedeutet es auch, mit Menschen klarzukommen, die ihre eigene Unzufriedenheit an anderen auslassen.
Eine dieser Situationen war für mich ein echter Wendepunkt.
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Der Tag im Supermarkt – und der Satz, der mich traf wie ein Schlag
Es war Sommer. Ich arbeitete damals als Verkäufer in einer Metzgerei und sollte im nahegelegenen Penny-Markt Milch holen. Nichts Besonderes. Ich beugte mich runter, um den Milchkarton in den Wagen zu heben – und mein T‑Shirt rutschte hoch. Die Windel war sichtbar.
Eine Frau, vielleicht Mitte 40, sah es. Sie kam auf mich zu, schaute mich von oben bis unten an und sagte:
„Was sind Sie denn für ein Perverser…“
Den Rest erspare ich dir. Es war unterste Schublade. Ich war damals noch völlig unsicher, alles war frisch, ich hatte selbst noch Mühe, das alles zu akzeptieren. Und dann so ein Angriff. Ich stand einfach nur da. Sprachlos. Überfordert. Am liebsten wäre ich im Boden versunken.
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Und dann kam sie – meine Rettung
Eine ältere Dame, vielleicht Anfang 80, hatte die Szene beobachtet. Sie stellte sich neben mich, schaute die Frau an und sagte:
„Ich bin 82 und trage auch Windeln. Bin ich dann auch pervers? Mach, dass du wegkommst.“
Die Frau verstummte. Und verschwand.
Die ältere Dame drehte sich zu mir, fragte ruhig, ob alles okay sei. Und in diesem Moment wurde mir klar:
Manchmal ist Angriff die beste Verteidigung – und manchmal reicht schon ein Mensch, der für dich einsteht.
Diese Frau war für mich in diesem Moment stärker als jeder Superheld. Sie hat mich gerettet, ohne mich zu kennen. Und sie hat mir gezeigt, dass nicht alle Menschen urteilen. Manche verstehen einfach.
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Wie ich heute damit umgehe
Es wird immer Situationen geben, in denen man dumme Sprüche, Blicke oder Kommentare abbekommt. Manche Tage steckt man das locker weg. An anderen Tagen trifft es einen genau da, wo es weh tut.
Solche Situationen sind zum Glück nicht mein täglicher Begleiter. Wie mein ganz normaler Alltag mit Harn- und Stuhlinkontinenz tatsächlich aussieht – mit Wechseln, meiner Tasche, Toilettenplanung und den kleinen Herausforderungen zwischendurch – erzähle ich in „Leben mit Inkontinenz – mein kompletter Alltag“.
Ich gehe heute so damit um:
- An guten Tagen kontere ich direkt – manchmal sachlich, manchmal mit Humor.
- An schlechten Tagen verlasse ich die Situation einfach.
- Immer denke ich mir: Wie unzufrieden muss jemand sein, um andere so anzufahren?
Und ganz ehrlich: Oft sagt das Verhalten anderer mehr über sie aus als über mich.
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Kinder – ehrlich, neugierig und völlig unproblematisch
Was mir auch schon passiert ist: Kinder fragen.
„Was hast du da?“
„Warum trägst du das?“
Kinder sind neugierig. Kinder sind ehrlich. Und das ist völlig okay.
Das Problem sind meistens nicht die Kinder – sondern die Eltern, die sofort einschreiten:
„Sowas fragt man nicht!“
Doch, darf man.
Ich antworte dann immer:
„Warum darf das Kind nicht fragen? Ich rede lieber offen darüber, als dass jemand von weitem mit dem Finger zeigt.“
Ich habe nie etwas dagegen, wenn jemand fragt. Im Gegenteil: Fragen schaffen Verständnis. Schweigen schafft Vorurteile.
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Mein Fazit
Ja, man bekommt auch mal Müll ab. Selten, aber es passiert.
Gefallen lassen muss man sich nichts.
Aber manchmal reicht ein bisschen Aufklärung, um eine unangenehme Situation ins Positive zu drehen.
Und für die Menschen, die einfach nur unzufrieden sind und ihren Frust an anderen auslassen?
Die lässt man am besten genau da stehen – in ihrer eigenen Unzufriedenheit.
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