Inkontinenz und Humor – warum ich über manche Situationen heute lachen kann

 

Inkontinenz und Humor – warum ich über manche Situationen heute lachen kann

Kann man über Inkontinenz lachen?

Ja.

Und bevor jetzt jemand denkt: „Wie kann man über so etwas lachen?“, muss ich vielleicht direkt etwas klarstellen.

Es gibt einen verdammt großen Unterschied zwischen jemanden auslachen und gemeinsam über eine Situation lachen.

Ich bin seit 21 Jahren harn- und stuhlinkontinent. In dieser Zeit habe ich wahrscheinlich mehr peinliche, unangenehme, chaotische und komplett bescheuerte Situationen erlebt, als ich heute überhaupt noch zusammenbekomme.

Und ganz ehrlich?

Wenn ich über manche davon heute nicht lachen könnte, hätte ich vermutlich schon längst den Verstand verloren.

Eine Situation aus meiner Zeit im Möbelhaus

Heute Morgen hat mich mein guter Freund Robin gefragt, ob es durch mein Handicap eigentlich auch Situationen gab, bei denen ordentlich gelacht wurde.

Und komischerweise musste ich erst einmal überlegen.

Nicht weil es keine gab.

Davon gab es wahrscheinlich Tausende.

Aber irgendwann wird vieles einfach normal.

Dann ist mir eine Geschichte aus meiner Zeit als Abteilungsleiter im Möbelhaus eingefallen.

Ich war damals ganz normal bei der Arbeit. Eine Arbeitskollegin stand neben mir und vor uns war eine Frau mit einem kleinen Kind.

Und sagen wir es so:

Bei mir war etwas passiert.

Und diesmal war die Windel nicht nur nass.

Meine Kolleginnen und Kollegen wussten natürlich von meiner Inkontinenz. Gerade diejenigen, mit denen ich eng zusammengearbeitet habe, haben auch immer ein bisschen auf mich geachtet.

Meine Kollegin bemerkte also ziemlich schnell, was los war.

Nur stand eben diese Frau mit ihrem kleinen Kind direkt vor uns.

Und dann sagte meine Kollegin völlig trocken zu ihr:

„Oh, ich glaube, Sie sollten mit dem Kleinen mal Richtung Toilette gehen. Ich glaube, der hat ordentlich die Hose voll.“

Ich wusste natürlich sofort:

Sie meinte nicht das Kind. Sie meinte mich.

Und jetzt versucht mal, in so einer Situation ernst zu bleiben.

Ich stand daneben und musste mir das Lachen wirklich verkneifen.

Die Frau dachte wahrscheinlich einfach, meine Kollegin hätte eine besonders gute Nase für volle Kinderhosen.

Während meine Kollegin ganz genau wusste, was sie gerade gemacht hatte.

Und ich ebenfalls.

Im Nachhinein war das einfach saukomisch.

Humor hat mir viele Situationen leichter gemacht

Natürlich fand ich nicht jede Situation mit meiner Inkontinenz lustig.

Ganz im Gegenteil.

Gerade am Anfang war da sehr viel Unsicherheit.

Was denken andere?

Sieht man meine Windel?

Riecht man etwas?

Ist etwas ausgelaufen?

Merkt jemand, dass ich mich gerade anders bewege?

Diese Gedanken können einen unglaublich beschäftigen.

Ich habe lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass ich mein Leben nicht permanent danach ausrichten kann, was vielleicht irgendein anderer Mensch über mich denken könnte.

Darüber habe ich auch schon in meinem Beitrag über meinen offenen Umgang mit Inkontinenz geschrieben.

Heute gehe ich wesentlich entspannter damit um.

Und Humor gehört für mich dazu.

Nicht weil Inkontinenz immer lustig wäre.

Das ist sie definitiv nicht.

Wenn nachts das Bett nass ist, wenn unterwegs etwas ausläuft oder wenn ich aufgrund meiner Stuhlinkontinenz sofort einen Platz zum Wechseln brauche, sitze ich sicherlich nicht da und denke:

„Ach, wie witzig.“

Aber wenn eine Situation vorbei ist und nichts Schlimmes passiert ist, darf man meiner Meinung nach auch darüber lachen.

Warum auch nicht?

Nicht jeder Witz ist automatisch lustig

Es gibt für mich allerdings eine klare Grenze.

Wenn ein guter Freund einen Spruch macht und ich weiß genau, wie er gemeint ist, kann ich darüber lachen.

Wenn meine Kollegin mich damals mit so einem Spruch aus einer unangenehmen Situation rettet, finde ich das sogar großartig.

Aber wenn irgendein Fremder meine Inkontinenz benutzt, um mich bloßzustellen oder zu beleidigen, ist das etwas völlig anderes.

Das habe ich selbst erlebt.

Ich habe bereits über eine Situation im Supermarkt geschrieben, bei der meine Windel sichtbar wurde und ich dafür beleidigt wurde.

Das hatte nichts mit Humor zu tun.

Das war einfach respektlos.

Und genau da liegt für mich der Unterschied:

Lachen wir miteinander oder lachst du über mich?

Das eine kann eine unangenehme Situation unglaublich entspannen.

Das andere kann einen Menschen tief verletzen.

Meine Freunde dürfen auch mal einen Spruch machen

Vielleicht sehen das manche anders, aber bei mir müssen meine Freunde nicht jedes Wort dreimal überlegen.

Wenn einer meiner Freunde einen Spruch über meine Windel macht, weiß ich ganz genau, von wem er kommt und wie er gemeint ist.

Ich bin schließlich trotz meiner Inkontinenz immer noch derselbe Mensch.

Ich möchte auch nicht, dass plötzlich alle um mich herum vollkommen verkrampft werden, nur weil sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.

Das wäre für mich viel unangenehmer.

Natürlich funktioniert das nur, wenn man sich kennt und gegenseitig respektiert.

Humor braucht Vertrauen.

Und genau deshalb konnte ich damals auch über die Situation im Möbelhaus lachen.

Meine Kollegin wollte mich nicht vorführen.

Sie hat genau das Gegenteil gemacht.

Sie hat gemerkt, dass eine möglicherweise unangenehme Situation entsteht, und hat sie innerhalb von zwei Sekunden entschärft.

Auf ihre ganz eigene Art.

Manchmal hilft nur noch lachen

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß, dass mein Alltag eben manchmal etwas anders aussieht.

Ich stehe morgens auf, kontrolliere zuerst meine Bettschutzauflage, gehe ins Bad, wechsle meine Windel, dusche, creme meine Haut ein und irgendwann kommt dann der erste Kaffee.

In meinem Beitrag über meinen Alltag mit Inkontinenz habe ich diesen Ablauf schon ausführlicher beschrieben.

Für mich ist das mittlerweile normal.

Und genau das ist vielleicht auch der Punkt.

Wenn etwas 21 Jahre lang Teil deines Lebens ist, kannst du nicht jeden einzelnen Tag so behandeln, als wäre gerade eine Katastrophe passiert.

Man organisiert sich.

Man entwickelt Routinen.

Man packt seine Tasche.

Man nimmt Ersatzprodukte mit.

Und manchmal steht man eben mit voller Hose im Möbelhaus und die Kollegin schiebt es kurzerhand auf das Kind vor einem.

So ist das Leben.

Über Inkontinenz darf auch gelacht werden

Ich möchte mit diesem Blog zeigen, dass Inkontinenz viele Seiten hat.

Es gibt schwierige Tage.

Es gibt Schmerzen.

Es gibt Unsicherheit.

Es gibt Situationen, über die man überhaupt nicht lachen kann.

Aber es gibt eben auch lustige Momente.

Und ich finde, genau darüber darf man ebenfalls sprechen.

Vielleicht hilft gerade das dabei, dieses Thema endlich ein bisschen aus dieser düsteren, peinlichen Ecke herauszuholen.

Ich bin inkontinent.

Ich trage Windeln.

Manchmal läuft etwas schief.

Manchmal ist eine Situation unangenehm.

Und manchmal ist sie einfach so bescheuert, dass man Jahre später noch darüber lachen muss.

Und wisst ihr was?

Das ist vollkommen okay.

Jetzt interessiert mich aber eure Geschichte:

Gab es bei euch schon einmal eine Situation rund um Inkontinenz, ein Handicap oder eine Krankheit, die in diesem Moment vielleicht unangenehm war, über die ihr heute aber lachen könnt?

Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Ich glaube, da kommen einige gute Geschichten zusammen.

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